Chronik

v.l.n.r.  Voglhuber Johann, Schmalnauer Ferdinand, Voglhuber Franz,  Sams Matthias
v.l.n.r. Voglhuber Johann, Schmalnauer Ferdinand, Voglhuber Franz, Sams Matthias

Im Jahr 1890 wurde durch das gemeinsame Zutun von Mathias Sams, Franz und Johann Voglhuber und Ferdinand Schmalnauer ein Bläserquartett geschaffen. Aufgrund des Erfolges dieser vier musikbegeisterten Männer entschloss sich der Gründervater Mathias Sams 1893 die kleine Musikgruppe zu einer Musikkapelle zu erweitern. Es gelang ihm in Kürze Mitglieder zu werben und für sein neues Vorhaben zu begeistern.

Mathias Sams (als Kapellmeister) schaffte mithilfe seiner Musikerfreunde einen beachtlichen Musikkörper und konnte sich schon relativ früh mit kleineren Konzerten in der Öffentlichkeit repräsentieren.

Für die Probenarbeit stellte Mathias Sams einen Raum in seinem Haus (Jainzen Nr. 25) unentgeltlich zur Verfügung. Dort wurde bei Petroleumlicht fleißig geübt und Nachwuchs ausgebildet.

 

1911 verstarb der Gründer und erste Kapellmeister der Musikkapelle. Der Nachfolger von Mathias Sams wurde Franz Stadler vulgo Leitner aus Eglmoos. Franz Stadler war ein tüchtiger Musiker, welcher wie einst der Gründervater Mathias Sams ebenfalls der Ischler Salinenkapelle entstammte. Die Kapelle profitierte vor allem durch seine musikalischen Kenntnisse, welcher er sich bei der Militärmusik angeeignet hat. Den Stellvertreterposten übernahm Gründungsmitglied Johann Vogelhuber, der Vater des späteren Kapellmeisters Josef Vogelhuber. Schriftführer wurde Johann Stögner und das Finanzielle regelte Josef Berner. Aufgrund des Zuwachses wurde das Probelokal in das Gasthaus „Hoblwirt“ in Trenklbach verlegt. Ein Auszug aus dem Tätigkeitsbericht von 1912 zeigt, dass die Musikkapelle zu dieser Zeit überaus aktiv war. Auf dem Programm standen viele Konzerte, Gratulationen sowie „Leichenbegängnisse“. Zum Jahresende konnten insgesamt 47 Proben gezählt werden.

Des Weiteren fanden immer wieder Konzerte zugunsten bedürftiger oder verunglückter Personen statt, wodurch die Kapelle einen wichtigen sozialen Beitrag leistete. Am 1. Mai 1913 wurde erstmals die bis heute erhaltene „Tagreveille“ erwähnt. Diese Marschausrückung brachte Geld für Uniformen und Instrumente.

 

Neben dem alltäglichen Geschehen spielten vor allem die Sommermonate in der Kaiserzeit eine wichtige Rolle. In dieser Zeit erarbeitete sich die Jainzner Musikkapelle einen besonderen Stellenwert und war aus dem Ischler Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Zu den Höhepunkten zählte unter anderem ein Geburtstagsständchen bei Katharina Schratt.

 

So maßgeblich und förderlich die Kaiserzeit für den Musikverein auch war, kam es mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges fast zur Auflösung der Musikkapelle. Der Musikbetrieb musste stillgelegt werden, da die meisten Musiker eingezogen wurden und so mancher Kamerad gefallen war.

Die Musikkapelle 1924
Die Musikkapelle 1924

 

Nach Ende des Ersten Weltkrieges drängten die überlebenden Kameraden Franz Stadler die Kapelle wieder neu aufzubauen. Diesem war es zu verdanken, dass der Klangkörper 1921 wieder mit gut 30 „Mann“ an die Öffentlichkeit treten konnte. Als Stellvertreter fungierte zu jener Zeit Alois Sams, ein Sohn des Gründervaters Mathias Sams. Zum Höhepunkt dieser Zeit zählte vor allem die Einweihungsfeier des Linzer Domes, bei der die Musikkapelle das gesamte Salzkammergut repräsentieren durfte. Nachdem Franz Stadler die Kapelle achtzehn Jahre lang erfolgreich als Kapellmeister geführt hatte, erkrankte er 1929 plötzlich schwer und starb zwei Jahre später.

 

Josef Voglhuber, erst 23 Jahre alt, musste 1929 die Musikkapelle übernehmen. Im Prinzip war es nur als Notlösung gedacht, denn niemand traute dem jungen Musiker die Leitung einer 30-Mann-Kapelle zu. Allen Vorbehalten zum Trotz, bewies Josef Voglhuber sein Können und führte die Musikkapelle 50 Jahre lang.

Josef Voglhuber kann viel Anerkennung angerechnet werden, denn auch er musste die Kapelle durch schwierige Zeiten leiten. Vor allem die NS-Zeit, der Zweite Weltkrieg und die mühevolle, aber letztendlich erfolgreiche Phase des Wiederaufbaus forderten sein Tribut.

 

1930: Die Musikkapelle beim 60-jährigen Fest des katholischen Volksverein Linz
1930: Die Musikkapelle beim 60-jährigen Fest des katholischen Volksverein Linz

 

 Nach dem 2. Weltkrieg hatten sich wiederum die Reihen der Musikkapelle gelichtet. Trotzdem fanden sich einige Männer der Kapelle zusammen und versuchten unter schwierigsten Verhältnissen den Spielbetrieb wieder aufzunehmen. Der damalige Kapellmeister Josef Voglhuber engagierte sich sehr für die Kapelle. Selbst das vorübergehende Schrumpfen des Musikvereins auf nur 15 Mann und die Umstellung auf eine andere Tracht, stimmten den Kapellmeister nicht mutlos. Mit seinem Engagement versuchte er die Musikkapelle über die Grenzen Ischls bekannt zu machen. Mit Erfolg war die Musikkapelle Teilnehmer bei zahlreichen Antel-Filmen. Aufgrund seines 50-jährigen Schaffens wurde Josef Voglhuber für seine kulturellen Verdienste mit dem Titel „Konsulent für Musikpflege“ vom Landeshauptmann ausgezeichnet.

 

Der Musikkörper drei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. - Festumzug 125 Jahre Stadt Bad Ischl
Der Musikkörper drei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. - Festumzug 125 Jahre Stadt Bad Ischl
Einweihung Musikheim in Kreutern August 1950
Einweihung Musikheim in Kreutern August 1950

 

Neben dem Kapellmeister Josef Voglhuber fungierte damals auch ein Vorstand. Den ersten fand man in der Person des Josef Kranabitl. Im Jahr 1951 übernahm diese Funktion dann der spätere Bürgermeister Franz Müllegger.

Es dauerte bis 1950 bis der Musikkörper wieder eine ansehnliche Größe hatte. Im selben Jahr wurde auch das neu errichtete Musikheim in der Kreutererstraße errichtet. Dieses diente damals wie auch heute der Kapelle zur Probenarbeit und konnte in den Jahren 1989 bis 1990 modernisiert werden.

 

Am 1. Mai 1975 rückten zum ersten Mal mit 31 Männern zwei Mädchen aus. Heutzutage sind Musikerinnen zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Kapelle geworden. Die Zahl steigerte sich kontinuierlich und im Festjahr 2013 machte der Höchststand des weiblichen Geschlechts von 23 Frauen, fast der Hälfte der Musikkapelle aus.

1971: Ehrenkapellmeister Josef Wiesauer (mittlere Reihe v.l.n.r. 7.); Aktives Mitglied Alois Sams (mittlere Reihe v.l.n.r. 4.)
1971: Ehrenkapellmeister Josef Wiesauer (mittlere Reihe v.l.n.r. 7.); Aktives Mitglied Alois Sams (mittlere Reihe v.l.n.r. 4.)

 

Nach der 50-jährigen Ära von Josef Voglhuber führte Josef Wiesauer die Musikkapelle Jainzen auf Erfolgskurs weiter. Vor allem seinem Einfühlungsvermögen und seiner Geduld ist es zu verdanken, dass der Zuwachs an jungen Musiker/innen nicht erlosch. Weitere Informationen zu Josef Wiesauer’s Musikergeschichte kann hier nachgelesen werden.

 

 

Nicht nur Josef Wiesauer engagierte sich für die Jugend. Auch der spätere Kapellmeister Rudolf Gratzer sah vor allem in der Jugend Profit. Er befasste sich mit der bedeutenden und nachhaltigen Jugendarbeit und legte mit der Einführung der Jugendkapelle den Grundstein für die wichtige Nachwuchsarbeit. Diese zeitaufwändige Betreuung des Nachwuchses wurde anschließend fortgeführt von Gschwandtner Heidrun und Reisenbichler Franz. Zurzeit ist Barbara Fuschlberger die Jugendkapellmeisterin der Musikkapelle Jainzen.